Jaen
Die südspanische Großstadt Jaen, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, liegt im Nordosten von Andalusien, ungefähr 70 Kilometer östlich von Cordoba und ebenso weit nördlich von Granada. Der Name Jaén ist ein Überbleibsel der maurischen Besatzung von Spanien, die vom frühen achten bis ins späte 15. Jahrhundert andauerte. Jaén war eines der Zentren, von denen aus die spanischen Christen das Land von den Arabern zurück eroberten. Die Stadt liegt an den nördlichen Ausläufern der Betischen Kordilleren, die die Costa del Sol vom spanischen Hinterland trennt und deren Berge in der Sierra Nevada zu finden sind.
Inmitten von Olivenhainen und Pinienwäldern gelegen, steht Jaén vor allem für seine gut erhaltenen, altertümlichen Viertel, die Bauten aus der Renaissancezeit und die baulichen Hinterlassenschaften der früheren maurischen Herrscher. An Sehenswürdigkeiten mangelt es Jaen daher auch keinesfalls. In erster Linie gilt das für die Kathedrale, die in den Augen der Bevölkerung, aber auch in jenen vieler Ortsfremder, zu den schönsten der gesamten andalusischen Region zählt. Sie wurde im 16. und 17. Jahrhundert erbaut und besticht durch ihre großzügige Einrichtung sowie durch die mächtigen Glockentürme, die weithin sichtbar sind und die Kathedrale zum Wahrzeichen von Jaen machen.
Die zweitgrößte Kirche, San Ildefonso, besitzt drei schöne Portale aus drei unterschiedlichen Epochen, an denen die überaus wechselvolle Geschichte der andalusischen Region abzulesen ist.
An den Baustil der „Mudéjares“ - das sind diejenigen Mauren, die im Zuge der spanischen Reconquista nicht vertrieben wurden, sondern in Andalusien blieben - erinnert dagegen der Kirchenbau San Andrés, der sich in der Nähe der ebenfalls sehenswerten maurischen Bäder im Stadtteil Magdalena befindet. In San Andrés sollte auf jeden Fall der
bemerkenswerte Altarraum, die so genannte „capilla Púrisima Inmaculada“, besichtigt werden. Die Bäder wiederum sind ein Teil des Conde de Villarompardo, einem Palast aus dem 11. Jahrhundert. Und gleich nebenan liegt die Kirche Santa Magdalena, die - im gotischen Stil errichtet - abermals eine völlig andere Epoche repräsentiert.
Einen Abstecher lohnt die Stierkampfarena, die zumindest architektonisch bemerkenswert ist, wenn man auch der „corrida“ selbst nichts abgewinnen kann. Unweit der Arena befindet sich das Stadttor Puerta del Angel und, ebenfalls um die Ecke, der Bogen Arco de San Lorenzo. Einen Besucht wert ist obendrein das Kloster Convento de las Bernardas. Die Festung Santa Catalina oberhalb der Stadt, errichtet im Jahr 1246 für den spanischen König Ferdinand III. aus Dankbarkeit für die Rückeroberung von Spanien aus der Herrschaft der Araber, thront über Jaén und bietet eine hervorragende Aussicht über die Stadt und die sie umgebenden Olivenhaine.
Ein interessantes Museum mit bedeutenden Funden spanischer Kunst und archäologischen Schätzen gehören gleichermaßen zu den ersten Touristenadressen in Jaén.
Lokale Feiertage haben in ganz Südeuropa eine herausragende Bedeutung - so auch in Andalusien. Mitte Januar, zu Ehren des San Antonio, errichten die Bewohner von Jaén überall große Scheiterhäufen, die angezündet werden, um die Flüche der Vergangenheit zu bannen: Pest und andere Seuchen haben in früheren Zeiten auch hier zahllose Menschen dahingerafft. Mit regionaler Folklore werden die brennenden Scheiterhäufen umtanzt, für Touristen höchst sehenswert. Schließlich, Mitte Oktober, wird das Fest des San Luca mit Prozessionen, kirchlichen Messen, Reitturnieren und den traditionellen Stierkämpfen begangen.
Wer Andalusien also im Frühherbst bereist - eine gar nicht so unpassende Reiseperiode, da es im Sommer an vielen Tagen mit über 40 Grad im Schatten sehr heiß werden kann -, der sollte sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen.
